Beziehungen leben lernen 

In unserer Einrichtung erleben die Kinder über ihre
Familienbeziehungen hinaus erstmalig wesentliche
Erweiterungen. In der wichtigen Eingewöhnungsphase
entwickelt sich der Grundstein für ein vertrauensvolles
Verhältnis zwischen Erzieherinnen, Eltern und Kindern.
Dieses Vertrauen ist von großer Bedeutung für das
gemeinsame Miteinander.

„Hoffnung wächst mit der Erfahrung, in
Veränderungen und Umbrüchen von
anderen gehalten und getragen zu sein.“
(Ch. Scheilke)

Eingewöhnung:

Die zeitweise Trennung von Vertrauten und die Hin-
wendung zu unbekannten Personen verlangt dem
Kind eine extrem hohe Anpassungsleistung ab. Um
eine solche Beziehung aufbauen zu können, benötigen
sowohl die Kinder als auch die Eltern Zeit. Kinder
brauchen in den ersten Tagen der Ablösungsphase
den Schutz und die Nähe der Mutter bzw. des Vaters
.Bei Unsicherheiten brauchen sie die Bezugsperson,
um sich wieder ins Gleichgewicht bringen zu können.
Je nach Situation reicht ein kurzer Blickkontakt.

Nur unter der Vorraussetzung einer stabilen und
verlässlichen Beziehung ist es Kindern möglich, sich
mutig auf ihnen neue, unbekannte Situationen ein-
zulassen und sich Ihnen stellenden Problemen und
Anforderungen fantasievoll auseinanderzusetzen.

Eine individuelle Eingewöhnung bedeutet für uns:

- ein ausführliches Aufnahmegespräch mit den Eltern,
um z.B. Gewohnheiten, Besonderheiten des Kindes
zu erfahren
- Kennlernnachmittage für neue Eltern
- Schnuppernachmittage für neue Kinder
- eine feste Bezugsperson für das neue Kind
- sanfte Eingewöhnung durch Erhöhung der
Betreuungszeiten gewährleisten
- Eltern-begleitend arbeiten, um den Kindern, im
Besonderen den Kindern unter 3 Jahren, Sicherheit
für einen Neuanfang zu geben.

Eine erfolgreiche Eingewöhnung hat in der Regel eine
schnelle Integration zur Folge und man kann oft einen
überraschenden Selbstständigkeitsschub beobachten.

Erkennungsmerkmale:

- es weint nach der Eingewöhnungszeit (ca.1 Monat)
nicht mehr beim und nach dem Abschied der Mutter
bzw. des Vaters oder lässt sich rasch von der
Erzieherin trösten.
- es geht gern und freiwillig ins Spatzennest
- es spricht spontan die Erzieherin an
- es sucht Trost bei der Erzieherin
- es freut sich und lacht oft, und weint selte
n

Beziehungen zu Gleichaltrigen können geknüpft werden, und mit Distanz und Ablehnung lernen die
Kinder umzugehen. Die Kinder erleben sich so verstärkt als die Gestalter ihrer Beziehungen.
Für uns kommt Beziehung in besonderer Weise im Gespräch zur Geltung. Insofern liegt uns die
Gesprächserziehung (Erzählrunde) sehr am Herzen. So wird bei uns beispielsweise oft der
Sprechstein eingesetzt, der es jedem Kind ermöglicht, sich zu äußern, ohne unterbrochen oder
bewertet zu werden.
Aber Leben in Beziehungen ist auch Belastungen ausgesetzt. Die Kinder sollen bei uns lernen, mit
Konflikten konstruktiv umzugehen, eigene Bedürfnisse deutlich zu machen, die der anderen
wahrzunehmen und dann nach gerechten Lösungen Ausschau zu halten.